Englische Telefonzelle

Norwegische Pseudoanglizismen

Was sind Pseudoanglizismen?

Anglizismen sind cool, aber nicht alles, was englisch klingt, ist auch immer Englisch. In diesen Fällen handelt sich dann richtigerweise um Schein- oder Pseudoanglizismen bzw. Pseudoentlehnungen. Das sind Wörter, deren Bestandteile tatsächlich englisch sind, die es aber Englischen nicht gibt oder dort eine völlig andere Bedeutung haben. Zu den bekanntesten Beispielen in der deutschen Sprache gehören ohne Zweifel die Substantive Handy und Oldtimer, aber auch der von Rudi Carrell erfundenen Showmaster.

Diese Substantive sind inzwischen so gebräuchlich, dass niemand mehr darüber nachdenkt. Ein englischer Muttersprachler würde allerdings nur mit den Achseln zucken können, da ihm mobile phone, classic car oder show host als entsprechende Bezeichnungen geläufig sind.
Gerade bei einem so gebräuchlichen Pseudoanglizismus wie Handy besteht für den Sprachungeübten bei der Übersetzung eines deutschen Satzes in die englische Sprache die Gefahr, in die Übersetzungsfalle zu tappen. Statt Could you lend me your mobile phone? wird aus Kannst Du mir Dein Handy leihen? die fehlerhafte Übersetzung Could you lend me your handy?.

Ein aktuelles Beispiel für einen Pseudoanglizismus in der deutschen Sprache ist das Verb beachen, das es im Englischen nicht gibt und im Deutschen bisher auch nicht gegeben hat. Es handelt sich hierbei um das ‘Spielen von Beachvolleyball‘. Im aktuellen Duden ist das Wort noch nicht zu finden.

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Karikatur zu Denglisch von Friedrich Retkowski

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Pseudoanglizismen im norwegischen Wortschatz

Der Wortschatz der norwegischen Sprache enthält ebenfalls Beispiele für Wörter im englischen Gewand. Dazu gehören u.a. die folgenden Substantive: dressmann (männliches Mannequin), smoking (eleganter Herrenanzug) und softis (sahniges Speiseeis). Auch das Wort babynapper (jemand, der ein Baby entführt) kann hier als Beispiel aufgeführt werden, das in der norwegischen Sprache auf kreative Weise für einen bestimmten Zweck analog zu kidnapper gebildet worden ist.
Der folgende Werbeslogan eines Online-Buchhändlers kann ebenfalls als Pseudoanglizismus definiert werden. Seine Botschaft „Gladmessage to all you readhorses“, was mit „eine gute Nachricht für alle Bücherwürmer“ übersetzt werden kann, klingt unglaublich englisch, ist aber nur erfundenes Englisch. Ein Bücherwurm, also eine Person, die gerne liest, ist im Norwegischen ein lesehest (Lesepferd). Lesehest wurde vom Buchhändler nun „werbewirksam“ direkt ins Englische übersetzt.

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Norwegische Pseudoentlehnungen

Eine sehr kreative Art der Verwendung des Englischen in der norwegischen Sprache sind die sogenannten Pseudoentlehnungen. Hierzu zählen Insbesondere Adjektive mit dem aus dem Englischen entlehnten Suffix –ings. Das Beispiel fuckings kann u.a. deshalb als Pseudoentlehnung definiert werden, weil dieses Wort in der englischen Sprache nicht als verstärkendes Adverb verwendet wird.

Beispielsatz: Alle trodde jeg var dønn fuckings lykkelig. (Alle dachten, ich wäre verdammt glücklich.)

Wenn englisches Sprachgut oder scheinbar englisches Wortmaterial nicht direkt aus den USA oder Großbritannien nach Norwegen gekommen ist, sondern über dritte Länder, spricht man von vermittelter Entlehnung. So ist beispielsweise das Wort dressmann aus dem Dänischen nach Norwegen gelangt. Aus dem Schwedischen gekommen ist babysitter in der Bedeutung ‘Babystuhl‘.

Das Substantiv smoking hingegen wurde in Deutschland bereits im Jahre 1900 gebildet. Ob es von dort oder von Dänemark oder Schweden nach Norwegen gekommen ist, ist nicht belegt.

Die Liste mit Beispielen für norwegische Pseudoanglizismen und Pseudoentlehnungen ließe sich fortsetzen…

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