Szene Mark Aurel oder ein Semester Zärtlichkeit

Mark Aurel oder ein Semester Zärtlichkeit im Friedrich-Wolf-Theater

Bevor sich der Webseitenbetreiber an der Sektion Nordeuropawissenschaften der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald seinen Norwegisch-Semestern widmete, bot sich ihm in Neustrelitz die einmalige Gelegenheit, ein Semester der besonderen Art zu absolvieren. Im Herbst 1978 wurde am Friedrich-Wolf-Theater das Stück „Mark Aurel oder ein Semester Zärtlichkeit“ von Werner Heiduczek uraufgeführt. Das Theater suchte für diese Aufführung mehrere Kleindarsteller, und er hatte das Glück, einer von ihnen sein.

Für ihn als als Teenager, der in dieser beschaulichen und übersichtlichen mecklenburgischen Kreisstadt aufwuchs, war das eine sehr spannende und zugleich herzerfrischende Erfahrung. Erzählt wurde die Geschichte von Tolja, der dem Publikum als anarchischer Wirrkopf gegenübertrat, als ein junger Mensch mit 1000 Flausen im Kopf, immer grübelnd, suchend und provozierend. So gab es die für die Zuschauer überraschende Szene, in der Tolja auf der Bühne nach einem Kommunisten suchen und dabei die Meinung vertreten durfte, dass es außer ihm keinen einzigen gebe. Und auf einem Denkmalsockel stehend war es ihm sogar erlaubt zu verkünden, er sei von der Universität geworfen worden, weil er Marx studiert habe.

Inszenierung ohne parteiliche Aussage

Toljas Konflikte mit der ihm umgebenden Gesellschaft blieben während der gesamten Aufführung offen. Probleme und ungelöste Konflikte des Helden mit der sozialistischen Gesellschaft – es war nur eine Frage der Zeit, bis der „Klassenfeind“ auf das Theaterstück in der mecklenburgischen Provinz aufmerksam wurde und lobende Worte für die Inszenierung fand.
Natürlich konnten die Parteimitglieder unter den Angestellten des Friedrich-Wolf-Theaters das Lob des Klassenfeindes nicht lange unkommentiert lassen. Sie mussten umgehend reagieren, „analysierten“ das Stück und warfen folgerichtig dem Regisseur vor, eine Inszenierung geschaffen zu haben ohne eindeutige parteiliche Aussage. Sie sei dadurch beliebig auslegbar gewesen, was sich der politische Gegner zu Nutze machte und die Aufführung in seinem Sinne interpretierte. Natürlich distanzierte sich der verantwortliche Regisseur davon und versicherte, er hätte nie die Absicht gehabt, dem politischen Gegner in die Hände zu spielen.

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Wo stand der Regisseur als Kommunist?

Die Krönung der „intellektuellen“ Auseinandersetzung der Parteimitglieder am Friedrich-Wolf-Theater mit der Inszenierung war die Aufforderung eines Werkstattmeisters an den Regisseur, er möge doch zeigen, wo er als Kommunist stehe. Er gab ihm auch den Rat mit auf den Weg, sich bei seinen künstlerischen Entscheidungsfindungen mehr auf das Kollektiv seiner Genossen zu stützen. Ob der Regisseur diesen Rat als hilfreich empfand, sei einmal dahingestellt. Als geistreich empfand er ihn ganz bestimmt nicht.

Nach wenigen Aufführungen wurde die Inszenierung von „Mark Aurel oder ein Semester Zärtlichkeit“ vom Spielplan genommen.

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